Happy Welttag des Buches!

Du meine Güte, vor zwei Jahren durfte ich noch selbst Lesefreude verschenken und dieses Jahr ist die wunderbare Aktion “Lesefreunde” bzw. “Blogger schenken Lesefreude” irgendwie an mir vorbeigegangen… :( Umso mehr freue ich mich, dass man auf vielen Blogs auch dieses Jahr wieder an spannenden Verlosungen teilnehmen kann! Ich habe mein Glück gerade noch schnell bei Mara versucht, die “Flut” von Daniel Galera verschenken darf – vielleicht findet ja dieses Mal auch ein bisschen Lesefreude den Weg zu mir :)

 

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Montagsfrage #1

MontagsfrageWie aufregend – heute beantworte ich meine erste Montagsfrage, gestellt von Libromanie! Und die Frage lautet: Welches Buch/welche Bücher hast du über die Ostertage gelesen?

Da ich dieses Jahr sehr entspannte Ostertage mit viel Zeit für mich hatte, habe ich zunächst “Die Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann weggeschmökert. Gestern habe ich dann – nach einer langen und intensiven Auseinandersetzung mit meinem SUB – mit “Kleine Lichter” von Roger Willemsen begonnen.

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~ Vor dem Fest ~

"Vor dem Fest" von Saša StanišićEs liegt ja in der Natur einer Rezension, dass sie grundsätzlich subjektiv ist – ich fürchte allerdings, dass ich im Falle von “Vor dem Fest” in besonderem Maße voreingenommen bin. Ich hatte ja bereits in meinem Beitrag “Die Literatur lässt mich nicht los…” kurz von der Pilotenlesung mit Saša Stanišić und Katharina Adler berichtet, die mich wirklich begeistert und auch prompt dazu verleitet hat, mir “Vor dem Fest” noch an Ort und Stelle zu kaufen. Und ich muss sagen, dieser Roman war das perfekte Mittel, um den traurigen literarischen Nachgeschmack von  Zitronenkuchen zu vertreiben.

Saša Stanišić entführt den Leser in seinem Roman ins uckermärkische Fürstenfelde, wo sich die Dorfbewohner gerade auf das jährliche Annenfest vorbereiten bzw. vorbereitet haben, denn inzwischen ist es Nacht. Die Nacht vor dem Fest – doch nicht alle finden in dieser Nacht Ruhe: Die Malerin Frau Kranz, die seit 1945 ausschließlich Fürstenfelde und Umgebung malt, hat es sich in den Kopf gesetzt, ihrer beachtlichen Motivsammlung endlich ein Nachtbild hinzuzufügen. Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, ringt mit einem Zigarettenautomaten und mit der Frage, ob es noch lohnt, am Leben zu bleiben. Der Fährmann – ist leider tot. Und zu allem Überfluss wurde auch noch ins Haus der Heimat eingebrochen…

Dass Fürstenfelde, obwohl es durchaus das eine oder andere Vorbild in der Realität zu haben scheint, letzten Endes fiktiv ist, nimmt dabei weder der Geschichte, noch den Figuren, die sie bevölkern, etwas von ihrer Lebendigkeit. Und das liegt vor allem daran, dass jede Person in diesem Roman ihre ganz eigene Sprache hat, die sie auf prägnante Weise charakterisiert und ihr Kontur verleiht. Selbst einer Füchsin, auf der Suche nach Eiern für ihre Jungen, gibt Saša Stanišić eine Stimme, von der man ohne Weiteres glauben könnte, dass das Tier seine Umgebung genau so wahrnimmt. Wenn ich mich recht erinnere, hat es Saša Stanišić im Rahmen der Lesung so formuliert, dass er “ein Dorf aus Sprache” schaffen wollte – und das ist ihm, aus meiner Sicht, ganz klar gelungen.

Eine weitere Besonderheit, auf die während der Lesung eingegangen wurde, ist die spezielle Erzählweise. Denn es ist keine konkrete Person, die im Laufe der Nacht an der Seite der Ruhelosen durch das Dorf streift und das Geschehen kommentiert. Es ist ein “Wir”, eine Art kollektives Gedächtnis des Dorfes, das den Leser – ebenfalls mit einer ganz eigenen Stimme – durch die Ereignisse der Nacht führt. Und diese Stimme,  mal nostalgisch, mal fast poetisch, stets mit einem ganz eigenen Humor, hat es mir besonders angetan:

“Im Haus der Heimat steht auf einer Kommode neben dem Besucherklo ein kleiner Fernseher. Der Fernseher hat einen integrierten Videorekorder. Wir finden das praktisch und gut und sind erstaunt und unglücklich darüber, dass sich Kombilösungen wie diese nicht haben durchsetzen können”. (S. 160)

Natürlich hat man selten die Gelegenheit und das Glück, sich vom Autor höchstselbst sein Werk “erklären” zu lassen. In diesem Fall kann ich daher nun nicht mit Sicherheit sagen, wie ich die Erzählweise ohne dieses “Hintergrundwissen” verstanden und gefunden hätte. Da ich aber spätestens seit Terry Pratchett großer Fan “anthropomorpher Personifizierungen” bin, hat mich dieses Wir durch seine Sprache und seine Sicht auf die Dinge mit diesem Hintergrundwissen quasi doppelt begeistert.

Doch es sind nicht nur Menschen, die in dieser Nacht durch das Dorf streifen und deren Leben und Geschichten sich kaleidoskopartig, manchmal auch nur in Fragmenten zu einem stimmungsvollen Mosaik des Dorflebens fügen. Auch der Einbruch ins Haus der Heimat spielt eine entscheidende Rolle und das erzählende Wir warnt nicht ohne Grund:

“Hier geht es anders zu als in den Touristenführern, in den Büchern, den demografischen Studien. Wenn bei uns irgendwo ein Fenster eingeschlagen wird und offen steht, dann haben wir mehr Angst vor dem, was entkommen sein könnte, als vor dem, der vielleicht eingestiegen ist.” (S. 163)

Und so erhält der Roman in der zweiten Hälfte noch einmal eine besondere Dynamik, als die Grenzen zwischen der Vergangenheit – in Form von in den Text eingestreuten Sagen und Erzählungen in barocker Sprache – und der Gegenwart verschwimmen und eben diese alten Geschichten und Sagen in der Nacht vor dem Fest ein geradezu mystisches Eigenleben annehmen… Davon hätte ich mir glatt zu Beginn des Buches schon ein wenig mehr gewünscht.

Letzten Endes spiegeln die Geschichten und Episoden, aus denen sich der Roman zusammensetzt, an vielen Punkten auch das leise Sterben dieses Ortes wider, der Heimat für die unterschiedlichsten Menschen war und ist.  Wo es früher noch mehrere Kneipen gab, gibt es jetzt nur noch Ullis Garage als Ort, an dem die Männer trinken, rauchen und unter sich sein können. Es gibt keine Tankstelle mehr, dafür “brandenburgische Industrieruinen”. Doch auch das mitunter nostalgische Erinnern, das Festhalten an der Vergangenheit, ohne die es kein Heute und auch kein Morgen geben würde, flicht Saša Stanišić beinahe leichtfüßig in seinen Roman. Denn auch davon lässt sich das erzählende Wir nicht unterkriegen:

“Es gehen mehr tot, als geboren werden. Wir hören die Alten vereinsamen. Sehen den Jungen beim Schmieden von keinem Plan zu. Oder dem Plan, wegzugehen. [...] Die Leute sagen, ein paar Generationen noch, länger geht das hier nicht. Wir glauben: Es wird gehen. Es ist immer irgendwie gegangen. Pest und Krieg, Seuche und Hungersnot, Leben und Sterben haben wir überlebt. Irgendwie wird es gehen.” (S. 13)

~ Fazit ~

“Vor dem Fest” ist stilistisch wahrlich ein Kunstwerk, das mich aber auch jenseits der beeindruckenden Sprachvielfalt fabelhaft unterhalten hat. Allzu leicht kann man sich im kunstvollen Geflecht der Geschichten und  geschickt komponierten Details verlieren und wünscht sich, dass diese lange Nacht nie zu Ende gehen möge. 5 Sterne

Titel: Vor dem Fest
Autorin: Saša Stanišić
eBook: 315 Seiten
Verlag: Luchterhand
ISBN: 978-0-09-953827-1

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Stammtischgeschichten…

Was nützt einem das beste Buch, wenn man mit niemandem darüber sprechen und die Begeisterung dafür teilen kann? Okay, man kann immer noch (hier) darüber schreiben und wenn man Glück hat, kriegt man dazu auch mal ein Feedback aber ein echtes Gespräch ersetzt das zugegebenermaßen nicht. Zum Glück habe ich meinen Lesekreis, der mir mindestens einmal im Monat die Möglichkeit gibt, mich – mal mehr, mal weniger ausführlich – mit meinen Mitstreiterinnen über ein vorher festgelegtes Buch auszutauschen. Aber da mein Mitteilungsbedürfnis über Literatur keine Grenzen kennt, bin ich damit schlicht nicht ausgelastet… :)

Wie gut, dass mich eine Freundin letztes Jahr über Facebook auf eine weitere literarische… na, nennen wir es mal… Veranstaltungsreihe hier in Hamburg aufmerksam gemacht hat – einen Bücherstammtisch! Diese Veranstaltung unterscheidet sich nicht nur dem Namen nach vom Lesekreis, sie folgt auch einem anderen Prinzip und ergänzt damit meinen literarischen Kosmos nahezu perfekt: Hier trifft man sich mit Gleichgesinnten, um über Bücher zu diskutieren, die man gelesen hat, die man gern lesen möchte oder die man als Tipp mitnimmt. (Natürlich kommen dabei auch die Themen des “normalen Lebens” nicht zu kurz.)

Letzten Donnerstag war es wieder soweit und neben einer Möglichkeit, mich noch einmal in größerer Runde über meine letzte Lektüre (“The Particular Sadness of Lemon Cake“) zu echauffieren und von “Vor dem Fest” (Rezension folgt) zu schwärmen, habe ich vor allem eins mitgenommen – jede Menge spannende neue Buchtipps, z.B. “Das Gleichgewicht der Welt” von Rohinton Mistry oder “The Kite Runner” und “A Thousand Splendid Suns” von Khaled Hosseini. Von letzterem habe ich zwar schon oft gehört und gelesen, ihn aus irgendeinem Grund aber nie wirklich für meine to-read-Liste in Betracht gezogen. Nach der begeisterten Fürsprache beim Stammtisch bekommt er nun vielleicht doch eine Chance. Besonders gespannt bin ich allerdings auf “Die Nacht der Erinnerungen” von Antonio Muñoz Molina, ein recht umfangreicher Gesellschafts- und Zeitroman, auf den ich letztes Jahr schon einmal aufmerksam geworden bin, leider war die entsprechende Lesung dann aber bereits ausverkauft.

Zunächst einmal muss ich allerdings noch fürs nächste Lesekreis-Treffen “Die Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann lesen… Ja, meine Begeisterung darüber hält sich in Grenzen. Obwohl mir “Ruhm” gut gefallen hat, hätte ich aus eigenem Antrieb wohl nicht unbedingt zu diesem Titel gegriffen aber das ist ja das Schöne am Lesekreis: Er zwingt mich, auch mal über meinen persönlichen literarischen Tellerrand hinauszulesen ;) Wer weiß, vielleicht überrascht mich “Die Vermessung der Welt” ja positiv und wenn nicht, habe ich immer noch die Rezension zu “Vor dem Fest”, auf die ich mich freuen kann. Und eine etwas ältere Dystopie, auf die ich über einen Facebook-Post zur geplanten Verfilmung aufmerksam geworden bin: “The Giver” von Lois Lowry. Und meine Buchschnäppchen vom vorletzten Wochenende. Und, und, und…

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~ The Particular Sadness of Lemon Cake ~

The Particular Sadness of Lemon CakeIch gebe es zu – ich kann bei Büchern manchmal ganz schön oberflächlich sein: ein klangvoller Titel, ein ansprechendes Cover und schon ist mein Interesse geweckt. Aber wie heißt es so schön: Never judge a book by its cover. Und das gilt offensichtlich auch für den Titel – denn der hat zumindest für mich im Fall von “The Particular Sadness of Lemon Cake” leider nicht gehalten, was er versprochen hat. Und ich kann noch nicht einmal behaupten, ich wäre nicht gewarnt gewesen, hat mir eine Freundin und Kollegin doch bereits zuvor dringend von der Lektüre abgeraten. Da ich mir aber grundsätzlich gern selbst ein Bild mache, habe ich mich davon nicht beirren lassen, mich ganz dem Versprechen des wunderbaren Titels hingegeben – und bin dafür nun um eine wenig erhebende, letztlich sogar eher frustrierende Leseerfahrung reicher…

Dabei war mein Interesse in diesem Fall gar nicht so oberflächlicher Natur, denn der Klappentext deutet eine durchaus faszinierende Prämisse an: “On the eve of her ninth birthday, unassuming Rose Edelstein, a girl at the periphery of schoolyard games and her distracted parents’ attention, bites into her mother’s homemade lemon-chocolate cake and discovers she has a magical gift: she can taste her mother’s emotions in the slice. She discovers this gift to her horror, for her mother – her cheerful, can-do mother – tastes of despair and desperation. Suddenly, and for the rest of her life, food becomes perilous. Anything can be revealed at any meal.”

Doch da fängt das Elend für mich auch schon an, denn leider verbinden sich mit dieser “magischen” Gabe in erster Linie negative Gefühle und traurige Einsichten: über die Geheimnisse der Mutter, die Teilnahmslosigkeit des Vaters, die weltabgewandte Zurückgezogenheit des Bruders. Dabei bräuchte es dafür die besondere Gabe der Protagonistin gar nicht unbedingt, denn worum es in dieser Geschichte eigentlich geht, wird für den Leser auch jenseits der Szenen am Esstisch mehr als deutlich: um eine sich auflösende Familie, um Menschen, die einander alles bedeuten und sich im Grunde doch fast fremd sind.

All dies wird durch die Augen der zunächst achtjährigen und später langsam erwachsen werdenden Rose erzählt, die in vielerlei Hinsicht unter ihrer Gabe leidet und darunter, dass sie das Gewicht dieser Gabe kaum mit jemandem teilen kann. Und obwohl das gesamte Buch von der Tragik dieser jungen Protagonistin und ihrer Familie durchdrungen ist, habe ich mich sehr schwer damit getan, mit ihr zu fühlen oder mich in sie hineinzuversetzen. Vielleicht aber auch genau deswegen – weil Rose jenseits dieser fast greifbaren, schwermütigen Hoffnungslosigkeit, von der ihre Geschichte getragen ist, und über ihre Gabe hinaus für mich doch irgendwie farblos geblieben ist.

Auch auf sprachlicher Ebene hat mich das Buch leider nicht wirklich in seinen Bann gezogen. Und das, obwohl auf dem Cover ein Testimonial von Jodi Picoult, deren Bücher ich sehr gern lese, “such beautiful writing” verspricht… Das ist dann wohl irgendwie an mir vorbeigegangen bzw. durch die bedrückende Handlung in den Hintergrund geraten. Dabei kann ich mich grundsätzlich auch für traurige Bücher begeistern aber hier ist der Funke irgendwie nicht übergesprungen. Im letzten Drittel hat die Handlung dann zwar noch einmal deutlich an Spannung gewonnen und mich damit schon gefesselt, das Ende hat meinen Leseeindruck dann allerdings final ruiniert. Nein, ich werde nicht spoilern – aber für einen Roman, der sich bis zu diesem Punkt trotz leicht “magischer” Anklänge doch zumindest in der Peripherie der Realität verorten ließ, führt dieses spezielle Ende einfach zu weit.

~ Fazit ~

Als tragisches Porträt einer zerfallenden Familie hätte dieser Roman in seiner Schwermütigkeit durchaus überzeugen können – es hätte dafür die besondere Gabe der Protagonistin, so verlockend sie als Prämisse auch war, allerdings nicht unbedingt gebraucht und dieses Ende schon gar nicht. 2stars

Titel: The Particular Sadness of Lemon Cake
Autorin: Aimee Bender
eBook: 230 Seiten
Verlag: Windmill Books
ISBN: 978-0-09-953827-1

On the eve of her ninth birthday, unassuming Rose Edelstein, a girl at the periphery of schoolyard games and her distracted parents’ attention, bites into her mother’s homemade lemon-chocolate cake and discovers she has a magical gift: she can taste her mother’s emotions in the slice. She discovers this gift to her horror, for her mother – her cheerful, can-do mother – tastes of despair and desperation. Suddenly, and for the rest of her life, food becomes perilous. Anything can be revealed at any meal. – See more at: http://www.windmill-books.co.uk/index.php/Books/?book=The%20Particular%20Sadness%20of%20Lemon%20Cake&ean=9780099538271#sthash.GcYCterr.dpuf
On the eve of her ninth birthday, unassuming Rose Edelstein, a girl at the periphery of schoolyard games and her distracted parents’ attention, bites into her mother’s homemade lemon-chocolate cake and discovers she has a magical gift: she can taste her mother’s emotions in the slice. She discovers this gift to her horror, for her mother – her cheerful, can-do mother – tastes of despair and desperation. Suddenly, and for the rest of her life, food becomes perilous. Anything can be revealed at any meal. – See more at: http://www.windmill-books.co.uk/index.php/Books/?book=The%20Particular%20Sadness%20of%20Lemon%20Cake&ean=9780099538271#sthash.GcYCterr.dpuf
On the eve of her ninth birthday, unassuming Rose Edelstein, a girl at the periphery of schoolyard games and her distracted parents’ attention, bites into her mother’s homemade lemon-chocolate cake and discovers she has a magical gift: she can taste her mother’s emotions in the slice. She discovers this gift to her horror, for her mother – her cheerful, can-do mother – tastes of despair and desperation. Suddenly, and for the rest of her life, food becomes perilous. Anything can be revealed at any meal. – See more at: http://www.windmill-books.co.uk/index.php/Books/?book=The%20Particular%20Sadness%20of%20Lemon%20Cake&ean=9780099538271#sthash.GcYCterr.dpuf

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~ A Long Way Down ~

A LONG WAY DOWN – Plakat, © ThimfilmMit freundlicher Unterstützung meines Mobilfunkanbieters (auf Schleichwerbung sei an dieser Stelle verzichtet – über die gewonnenen Freikarten habe ich mich aber nichtsdestotrotz sehr gefreut ;) ) bin ich heute in den Genuss des Films “A Long Way Down” gekommen. In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nick Hornby geht es um vier Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – ihre einzige Verbindung: Sie treffen sich in der beliebtesten Nacht des Jahres für Selbstmord auf dem Dach eines Londoner Hochhauses, um von eben dort herunterzuspringen. Da jedoch keiner von ihnen gewillt ist, dies quasi “unter Beobachtung” zu tun, schließen sie einen Pakt und verabreden, sich erst am Valentinstag das Leben zu nehmen…

Bei dieser Thematik würde man nun nicht unbedingt ein Feel-Good-Movie erwarten aber wer Nick Hornby kennt, der weiß oder ahnt zumindest, dass er sich auch dieser speziellen Geschichte mit unverwechselbar schwarzem Humor annähert. Deshalb wird der Film bei aller Tragik, die den Geschichten der einzelnen Charaktere innewohnt, nie zu bedrückend oder schwermütig, im Gegenteil – er besticht auch und v.a. durch den ganz eigenen britischen Humor. Und trotzdem hat man nicht das Gefühl , dass hier leichtfertig mit dem Thema Selbstmord umgegangen wird. Jeder der vier Protagonisten erhält Raum, um seine Gedanken und Gefühle in eigenen Worten zu schildern, und die – wie ich finde – gelungene Besetzung haucht diesen Schilderungen noch zusätzliches Leben ein. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich diesbezüglich zwar keine Vergleiche ziehen, aber das ist bei Literaturverfilmungen ja nicht unbedingt ein Nachteil…

~ Fazit ~

Obwohl “A Long Way Down” stellenweise recht vorhersehbar war und das Ende vielleicht etwas zu sehr nach Friede, Freude, Eierkuchen geschmeckt hat, ist der Sonntag damit doch ganz angenehm ausgeklungen.

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Die Literatur lässt mich nicht los…

Nachdem es hier eine ganze Weile ziemlich, ziemlich still gewesen ist, kribbelt es mir nach der letzten, an Literaturveranstaltungen reichen Woche, bei der Erinnerung an die Leipziger Buchmesse und nicht zuletzt beim Blick auf die jüngsten Neuzugänge für meinen SUB (4 Bücher für 10 € – wie soll man da widerstehen können, das ist ja fast geschenkt!) doch wieder in den Fingern. Deshalb wage ich nun also einen Versuch, meinen kleinen aber feinen Literaturblog wiederzubeleben.

Ganz chronologisch wird es allerdings nicht vonstattengehen, denn die Sichtung der diversen Literaturzeitschriften und -beilagen, die ich aus Leipzig mitgebracht habe und von denen ich mir jede Menge spannende Lektüretipps verspreche, wird wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen… Damit mein erster Artikel nach so langer Zeit aber nicht allzu kurz und hingeschludert daherkommt, lasse ich euch noch eben an den oben erwähnten literarischen Highlights dieser Woche teilhaben:

Montag war Lesekreis-Tag. Zur Diskussion stand dieses Mal “Der Richter und sein Henker” von Friedrich Dürrenmatt, ein geschickt komponierter Kriminalroman über den alten, todkranken Inspektor Bärlach und seinen Gegenspieler, den Verbrecher Gastmann, den er bereits seit 40 Jahren jagt. Der Plan, den Bärlach schließlich ersinnt, um Gastmann endlich zu überführen, ist ebenso perfide wie zynisch – und hat dieses Buch für mich zu einer spannenden und zugleich hintergründigen Lektüre gemacht.

Am Dienstag hat bei der 8. Pilotenlesung im Nochtspeicher zunächst Katharina Adler das erste Mal aus ihrem gerade entstehenden Roman “Die berühmte Patientin, der ungebetene Biograph, der Außenminister, der Präsident und ich” gelesen – und was man daraus gehört hat, macht definitiv Lust auf mehr. Das gleich gilt auch für den Roman “Vor dem Fest” von Saša Stanišić, Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2014, über den ich im Rahmen der Buchmesse schon viel gelesen und gehört habe. Und da mich diese Lesung höchstens noch mehr davon überzeugt hat, dass ich dieses Buch auf jeden Fall lesen möchte, musste ich es mir natürlich auch gleich noch vor Ort kaufen…

Der Mittwochabend stand schließlich im Zeichen der langen Nacht der ZEIT, die anlässlich der Premiere eines achtseitigen Hamburg-Teils zu zahlreichen, hochkarätigen (und obendrein noch kostenlosen) Veranstaltungen eingeladen hat. Es überrascht vermutlich nicht wirklich, dass ich mir aus dem bunten Angebot ausgerechnet das “Literarische Quartett” ausgesucht habe :) Nicht im ZDF, sondern auf der Bühne der Hamburger Kammerspiele hat dabei Iris Radisch, Ressortleiterin Feuilleton, gemeinsam mit den ZEIT-Redakteuren Ulrich Greiner und Ijoma Mangold sowie dem Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, über literarische Neuerscheinungen diskutiert. Gesprochen und mitunter auch heftig debattiert wurde über “Vor dem Fest” von Saša Stanišić (passenderweise), “Das Blutbuchenfest” von Martin Mosebach, “Glücklich die Glücklichen” von Yasmina Reza und “Tagerbücher 2002 – 2012″ von Fritz J. Raddatz. Da ich kein großer Sachbuch- und Biographien-Fan bin, lasse ich den letzten Titel mal außen vor. Von “Vor dem Fest” werde ich mir auf jeden Fall selbst ein Bild machen und mit Yasmina Reza liebäugele ich spätestens seit ich die Verfilmung von “Der Gott des Gemetzels” gesehen habe (mit einem großartigen Christoph Waltz!)… Einzig bei Herrn Mosebach bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich zu diesem Titel greifen werde, denn sein Werk scheint Geschmackssache zu sein – und ich fürchte, mir würden doch so einige Titel einfallen, die mich spontan mehr ansprechen.

Das bringt uns auch schon zum letzten Punkt dieses Beitrags – der steigenden und mittlerweile auch statisch bedenklichen Höhe meines SUBs. Langsam aber sicher frage ich mich, ob es gegen zwanghafte Buchneukäufe auch etwas von Ratiopharm gibt… Aber nun ist das Kind eben in den Brunnen aus Papier und Druckerschwärze gefallen und ich muss zugeben, ich bin schon ziemlich gespannt auf die Lektüre dieser Titel:

SUB-Neuzugänge

“Alice” von Judith Hermann hatte ich bereits mehrfach in der Hand – dieses Mal musste ich einfach zugreifen. “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” von Milan Kundera steht immer mal wieder als potentieller Lesekreis-Titel zur Debatte (und klingt davon abgesehen auch vielversprechend). Von Roger Willemsen und Clemens Meyer habe ich bisher noch nichts gelesen aber schließlich freue ich mich immer über literarische Neuentdeckungen (und außerdem lebt Clemens Meyer in Leipzig, meiner alten Heimat ;)

Zunächst einmal muss ich aber noch “The Particular Sadness of Lemon Cake” ergründen – und wer weiß, vielleicht gibt es ja hier dann sogar bald mal wieder eine Rezension…

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