~ Love and Money ~

Gestern habe ich mir seit langem mal wieder den Luxus einer Theatervorstellung gegönnt: eine Aufführung der Hamburger University Players (http://www.universityplayers.de/). Im Wintersemester hatte ich bereits „The Taming of the Shrew“ gesehen und war restlos begeistert, von der Inszenierung und der schauspielerischen Leistung der Gruppe. Dieses Semester steht eine moderne Liebestragödie auf dem Programm (leider nur noch bis zum 24.06.): „Love and Money“ von Dennis Kelly.

„Love and Money“ erzählt in interessanter Form (nicht klassisch linear, sondern rückblickend, in einzelnen, nur lose zusammenhängenden Szenen) die Geschichte von David und Jess, einem jungen Paar, dessen Eheglück schließlich an Jess‘ Kaufsucht und den daraus resultierenden Schulden zerbricht. Doch auch David ist nicht frei von materiellen Ansprüchen, ebenso wenig wie die anderen Charaktere des Stückes. Wie Jess‘ Eltern, die nach deren Tod vor allem die Tatsache beschäftigt und ärgert, dass das riesige Monument eines Griechen zu Ehren seiner toten Frau das Grab ihrer Tochter in den Schatten stellt. Oder Davids Ex-Freundin Val, die früher an Gott glaubte, heute an die Macht des Geldes, und die er nun um einen Job bitten muss.

Nicht ganz erschlossen hat sich mir, warum genau Jess in die Kaufsucht abgeglitten ist. Zwar deutet sich ihr Hang zum Materialismus in der letzten Szene (die chronologisch gesehen eigentlich die erste ist) bereits an – nun, da sie bald verheiratet ist, möchte sie ein bisschen mehr leben, wie die Leute in Zeitschriften -, doch im Laufe des Stückes wird gesagt, dass der hemmungslose Konsum eine innere Leere füllen soll. Woher kommt diese Leere? Im abschließenden Monolog beschreibt sie eindringlich und berührend, wie sehr sie David liebt – was ist also schief gegangen?

Doch vielleicht ist genau das auch die große Frage (oder auch nur eine von vielen Fragen), die dieses Stück aufwirft: Wie viel ist Liebe noch wert, wie viel Halt kann sie geben in einer Welt, in der man mit Geld scheinbar alles kaufen kann?

~ Fazit ~

Ein faszinierendes Stück, das berührt, verstört und zum Nachdenken anregt, in einer weiteren sehr guten Inszenierung der Hamburger University Players, die man jedem Liebhaber des guten Sprechtheaters (ein großes Lob aber auch für die Musikauswahl) bedenkenlos empfehlen kann!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesehen

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s