~ The Uncommon Reader ~

Im Zentrum dieser zauberhaften novella steht eine der urenglischsten Institutionen schlechthin, die Monarchie, in Person Ihrer Majestät Queen Elizabeth II. höchstselbst, die beim Ausführen ihrer Corgis (ob sie das tatsächlich selbst tut…?) in einen Bücherbus „stolpert“ und der Höflichkeit halber ein Buch ausleiht. Doch bei diesem einen Buch soll es nicht bleiben…

Zunächst noch geleitet von den Buchvorschlägen des Küchenjungen Norman, den sie im Bücherbus kennenlernt und später sogar zu ihrem Amanuensis (Sekretär) ernennt, wird die Königin bald zu einer wahren Vielleserin, die jede freie Minute zur Lektüre nutzt. Allerdings ist das neue Hobby Ihrer Majestät bei Hofe nicht gern gesehen, führt es doch dazu, dass sie zunehmend nachlässig in der Erfüllung ihrer Pflichten wird (in die man ganz nebenbei einen interessanten Einblick erhält) und nichtsahnende Untertanen, Kabinettmitglieder und Staatsgäste wiederholt in Verlegenheit bringt. Denn statt auf weitgehend inhaltslosen Smalltalk müssen sich die Gäste Ihrer Majestät nun auf die Frage einstellen, welches Buch sie gerade lesen (Virginia Woolf oder Charles Dickens – gute Antwort, Harry Potter – eher nicht, für Fantasy hat Ihre Majestät nun wirklich keine Zeit).

Unabhängig davon wird die Königin jedoch im Verlauf des Buches eine immer selbstbewusstere und kritischere Leserin und zugleich eine genaue Beobachterin ihres eigenen Umfeldes. Dabei ist die Darstellung Ihrer Majestät wunderbar facettenreich: zunächst etwas unbeholfen und unsicher im Umgang mit Büchern, aber gern auch mal ein wenig schnippisch oder scharfzüngig, oft erfrischend unverblümt – alles in allem: eine resolute aber liebenswerte ältere Dame.

Aber das Tüpfelchen auf dem i dieser unheimlich charmanten, mit viel englischem Humor und dem ein oder anderen Augenzwinkern erzählten (natürlich weitgehend fiktiven!) Geschichte bilden für mich die zahlreichen kleinen Weisheiten, die in wenigen Worten den Zauber des Lesens, die Sonnen- und die Schattenseiten des Eintauchens in die Welt der Bücher, einfangen:

What she was finding also was how one book led to another, doors kept opening wherever she turned and the days weren’t long enough for the reading she wanted to do.“ (S. 21)

Welche Leseratte kennt dieses Phänomen nicht?

Books are not about passing the time. They’re about other lives. Other worlds.“ (S. 29)

You don’t put your life into your books. You find it there.“ (S. 101)

~ Fazit ~

„The Uncommon Reader“ war genau das, was ich erwartet und erhofft hatte – ein herrliches Stück englischer Literatur! Eine kurzweilige Hommage an das Lesen und an eine ganz besondere Leserin, die ich allen „Buchverrückten“ und Liebhabern des Vereinigten Königreichs wärmstens ans Herz legen möchte.   

Titel: The Uncommon Reader

Autor: Alan Bennett

Gebundene Ausgabe: 124 Seiten

Verlag: Farrar, Straus and Giroux

ISBN: 978-0374280963

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