~ Die fremde Frau ~

Chronologisch müsste hier eigentlich zuerst die Rezension zu „Mängelexemplar“ kommen aber damit warte ich noch, bis nach unserem Lesekreis heut Abend. Man will ja nichts vorwegnehmen! Stattdessen also erstmal meine Leseeindrücke zu „Die fremde Frau“ von Lesley Turney, dem zweiten Buch, das ich auf vorablesen.de gewonnen habe. Ich musste ziemlich lange darauf warten aber nachdem er dann endlich da war, habe ich den kleinen Wälzer (knapp 500 Seiten) mit dem stimmungsvollen (aber nicht wirklich aussagekräftigen) Cover innerhalb weniger Tage verschlungen. Die Lektüre hat mich also durchaus gefesselt – aber das allein macht ja noch kein gutes Buch aus…

Die Geschichte in aller Kürze: Protagonistin Sarah, die, kurz nachdem ihr Baby totgeboren wurde, auch noch von ihrem Partner betrogen wird, trifft während einer Auszeit auf Sizilien den faszinierenden Alex, der kurz zuvor von seiner Frau verlassen wurde und nun die Arbeit und seinen Sohn Jamie unter einen Hut bringen muss. Sie erklärt sich bereit, zu ihm in sein abgelegenes Landhaus zu ziehen, um dort Jamie zu betreuen und den Haushalt zu erledigen. Im kleinen Örtchen Burrington Stoke angekommen, begreift Sarah jedoch schnell, dass sie wohl immer die „fremde Frau“ bleiben wird, denn alle Dorfbewohner hoffen weiterhin, dass Alex‘ Frau Genevieve doch noch zurückkehrt. Und auch im Landhaus sieht sich Sarah immer wieder mit der verschwundenen Genevieve konfrontiert, in Form mysteriöser Spuren und unheimlicher Vorkommnisse…

Der Text liest sich flüssig, ist aber stilistisch nicht überragend. Stellenweise gibt es sogar Anlass zum Gruseln – eine Geistergeschichte hatte ich nun aber wirklich nicht erwartet… Überhaupt scheint sich die Autorin nicht auf ein Genre festlegen zu wollen, hier ein bisschen Krimi, dort einen Hauch Romantik – leider ergibt das eine ziemlich heterogene Mischung… Nichts Halbes und nichts Ganzes, und für meinen Geschmack (und das Genre) hätte es durchaus etwas romantischer sein dürfen. Alex ist mir in so mancher Situation doch zu distanziert. Stichwort Sarahs totgeborener Sohn: In ihren Gedanken ist er stets präsent – wie sie selbst sagt, ohne diesen Verlust wäre sie nie nach Sizilien gereist und hätte Alex nicht kennengelernt – aber sonst interessiert sich absolut niemand für ihre trauriges Schicksal. Was ist das bitte für eine Beziehung, in der man null Interesse an der Vergangenheit des jeweils anderen hat? Vor allem da Sarah ja immer wieder gezwungen ist, sich mit Alex‘ früherem Leben auseinander zu setzen.

Erschwerend hinzu kommt, dass es den Charakteren durch die Bank weg einfach an Tiefe fehlt. Über Sarahs Gefühle ist man logischerweise gut im Bilde, weil aus ihrer Perspektive erzählt wird. Nichtsdestotrotz überzeugt auch sie in Hinblick auf die Charaktergestaltung nicht wirklich. Sie lässt sich viel zu viel gefallen, und mehr als einmal wirkt der fliegende Wechsel zwischen Vertrauen und Misstrauen Alex gegenüber doch etwas unmotiviert. Auch die übrigen Charaktere bleiben blass bzw. eindimensional, da ja keiner über seine Gefühle spricht und man somit kaum einen echten Einblick in die Gedanken von Alex, Claudia oder Genevieves Eltern bekommt.

(Für Leute, die mit diesem Genre nicht so vertraut sind: Vorsicht, Spoiler!)

Zu guter Letzt ist die Geschichte insofern recht vorhersehbar, als dass eigentlich von Anfang an klar ist, dass Alex nichts mit Genevieves Verschwinden zu tun hat. Diese Art von Buch hat erfahrungsgemäß immer ein Happy End, also muss er unschuldig sein. Trotzdem baut Lesley Turner immer wieder Verdachtsmomente ein, bei denen man Sarahs Hin- und Hergerissenheit gut nachvollziehen kann. Und tatsächlich war ich mir lange Zeit nicht sicher, ob Genny nun noch lebt oder nicht – in der Hinsicht hat Miss Turney die Spannung also, wie ich finde, ganz gut aufrecht erhalten. Kurz vor Ende überschlagen sich dann allerdings die Ereignisse und die Auflösung und der Ausblick auf die Zukunft von Sarah und Alex ist für meinen Geschmack recht kurz geraten…

~ Fazit ~

Die Handlung ist nur bedingt originell, und womöglich hätte es dem Text gut getan, wenn sich die Autorin für ein Genre entschieden und sich daran gehalten hätte. So fehlt es der Geschichte einfach an Tiefgang. Nichtsdestotrotz habe ich „Die fremde Frau“ bis zum Ende mit Spannung gelesen. Als Lesefutter also durchaus geeignet, für mehr als 3 Sterne reicht es aber nicht.   

Titel: Die fremde Frau
Autorin: Lesley Turney
Originaltitel: The Secrets Between Us
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Pendo
ISBN: 978-3866123038

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