~ Wie es uns gefällt ~

Das Wichtigste vorweg: ich bin spätestens seit meinem Studium absoluter Shakespeare-Fan. Als ich auf einem Büchertisch den Titel „Wie es uns gefällt“ von Peter Ackroyd entdeckt habe, war meine Neugier daher schnell geweckt. (Für die, denen der Zusammenhang evtl. nicht ganz klar ist: der Titel spielt offensichtlich auf die Shakespeare-Komödie „As you like it“/ „Wie es euch gefällt“ an. Außerdem hat Peter Ackroyd bereits eine recht populäre Shakespeare-Biografie veröffentlicht.) Allerdings geht es in „Wie es uns gefällt“ nicht um Shakespeare persönlich, sondern um die literaturbegeisterten Geschwister Charles und Mary Lamb, die Ende des 18. Jahrhunderts in London wie viele andere fasziniert sind von den Funden eines gewissen William Ireland. Der junge Buchhändlerssohn hat im Nachlass einer Witwe einen unbekannten Shakespeare-Text entdeckt…

Obwohl ich wusste, wie die Geschichte ausgeht, war ich nichtsdestotrotz gespannt, wie Peter Ackroyd sich dem Stoff annähert. Leider wurden meine Erwartungen ziemlich enttäuscht… Fangen wir mit Ackroyds Stil an, der angeblich sehr gut und lesbar sein soll – das ist dann wohl in der Übersetzung etwas verloren gegangen. Nun ja, normalerweise lese ich meine Bücher ja auch lieber im Original, das hat man jetzt davon, dass man mal ein Schnäppchen machen wollte. Aber eine eher uninspirierte sprachliche Umsetzung kann man ja verschmerzen, wenn wenigstens die Story und/oder die Charaktere stimmig sind… Doch auch das hat mich bei Ackroyd nicht überzeugt.

Die Charaktere bleiben für meinen Geschmack ziemlich farblos und wirkliche Spannung hat sich für mich auch nicht aufgebaut. Das mag daran liegen, dass ich wusste, worauf die Geschichte hinausläuft oder aber daran, dass ich mit Ackroyds Charakteren und ihrem Schicksal nie so recht warm geworden bin. Charles erfüllt weitgehend das Klischee des Dandy und spielt darüber hinaus kaum eine Rolle. Mary hätte eine Sympathieträgerin sein können, dafür ist ihre Persönlichkeit und ihre Entwicklung allerdings viel zu schwach gezeichnet. Williams Motivationen und seine Beziehungen zu den übrigen Charakteren des Buches (speziell Mary) bleiben bis zum Ende fragwürdig. Und auch das Finale war dann nicht halb so spektakulär oder aufschlussreich oder wenigstens emotional wie ich mir das gewünscht hätte.

Grundsätzlich mag ich es sehr gern, wenn ein Autor die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion verschwimmen lässt. Und besonders spannend wird es, wenn man während des Lesens gar nicht klar sagen kann, was wahr ist und was erfunden. (Dafür darf es dann aber durchaus am Ende eine paar erklärende Worte geben, wie z. B. bei Bernard Cornwell.) Die Geschichte um die Geschwister Lamb und William Ireland ließe viel Raum für ein solches Spiel mit der historischen Realität, Raum, den Ackroyd leider nur bedingt füllt. „Wie es uns gefällt“ ist weder Krimi, noch Liebesgeschichte. Im weitesten Sinne könnte man das Buch vielleicht als historischen Roman bezeichnen aber selbst dafür hätte es meines Erachtens noch etwas mehr Zeitkolorit und Spannung gebraucht.

~ Fazit ~

Wer Fakten möchte, wäre vielleicht besser mit einer echten Shakespeare-Biographie bedient (die oft auch auf vermeintlich neue sensationelle Funde eingehen). Wer ein paar Fakten und viel Spannung möchte, dem würde ich die Shakespeare-Thriller von Jennifer Lee Carrell ans Herz legen (v.a. den ersten, „The Shakespeare Secret“, der zweite, „The Shakespeare Curse“, fällt – wie so oft – etwas schwächer aus). „Wie es uns gefällt“ bekommt zwei Sterne – aber auch nur, weil ich Shakespeare-Fan bin.   

Titel: Wie es uns gefällt
Autor: Peter Ackroyd
Originaltitel: The Lambs of London
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Knaus
ISBN: 9783813502633

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