~ Wilde Reise durch die Nacht ~

Ich wollte ja schon immer mal ein Buch von Walter Moers lesen, dabei dachte ich allerdings an etwas wie „Die Stadt der träumenden Bücher“ oder „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“. Nun ist es doch ein ganz anderer Titel geworden, nämlich Moers „Wilde Reise durch die Nacht“, das Geburtstagsgeschenk einer guten Freun-din. (Und erschreckenderweise das einzige Buch, das ich geschenkt bekommen habe – wenn man den eReader nicht mitzählt.) Auf diese wahrhaftig wilde Reise begibt man sich mit dem 12jährigen Gustave, der im Laufe einer einzigen Nacht ein halbes Dutzend Aufgaben erfüllen muss, die ihm der Tod höchstpersönlich stellt, darunter beispielsweise: eine schöne Jungfrau aus den Klauen eines Drachen befreien, einen Wald voller bösartiger Gespenster durchqueren (und sich dabei natürlich möglichst auffällig benehmen!) oder einen Zahn vom Schrecklichsten Aller Ungeheuer erbeuten. Und der Einsatz ist kein geringerer als Gustaves Seele…

Diese kurze Inhaltsangabe lässt vielleicht bereits darauf schließen, um was für eine Art Buch es sich handelt. „Wilde Reise durch die Nacht“ ist im wahrsten Sinne des Wortes eine fantastische Geschichte, in deren Verlauf mal schaurige, mal einfach nur groteske Traumbilder ineinander fließen. Auf relativ kleinem Raum entfaltet sich enorm viel Handlung, die sich auf stimmungsvolle Weise mit den Stichen des Künstlers Gustave Doré (der wohl nicht ohne Grund den gleichen Namen wie der Protagonist trägt) verbindet, um die herum sie gesponnen ist. Dadurch entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen Sog, der durch den witzig-skurrilen Stil von Moers und seinen ganz speziellen Humor noch unterstützt wird. Exemplarisch sei dafür an dieser Stelle nur ein Zitat angeführt, in dem Tod erklärt, warum er inzwischen auf dem Mond lebt:

„Früher wohnte ich in einem Schloß aus Eis am Nordpol, aber da hält der Tourismus ja mittlerweile auch schon Einzug. Polarforscher, Entdeckertypen, Glücksritter – wobei ich mich frage, welche Art von Glück sie bei minus fünfzig Grad wohl suchen.“ (S. 23) 

~ Fazit ~

Ein kurzweiliges aber intelligentes modernes Märchen (in dem auf überspitzte Art auch so manches Märchenmotiv gegen den Strich gebürstet wird), das definitiv Lust auf mehr von diesem nicht ohne Grund sehr erfolgreichen deutschen Autor macht.   

Titel: Wilde Reise durch die Nacht
Autor: Walter Moers
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442452910

2 Kommentare

Eingeordnet unter Gelesen

2 Antworten zu “~ Wilde Reise durch die Nacht ~

  1. Ich empfehle trotzdem sehr die Zamonien-Romane von Walter Moers, die sprühen geradezu vor Fantasie. Und sie sind vom Autoren selbst illustriert.

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