~ The Hunger Games ~

May the odds be ever in your favour!

An dieser Stelle gibt es heute mal etwas völlig Neues: Da ich alle drei Bände der „Hunger Games“-Trilogie von Suzanne Collins innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe, gibt es nun einen kumulierten Leseeindruck in Form einer zusammengefassten Rezension. (Dabei bemühe ich mich natürlich trotzdem, nicht zu spoilern.)

Collins beeindruckende Dystopie spielt in einer zeitlich nicht genauer bestimmten Zukunft, in der sich auf dem Gebiet des heutigen Nordamerikas das Kapitol und die zwölf Distrikte von Panem befinden. Ein 13. Distrikt, der sich vor Jahren gegen die diktatorische Herrschaft des Kapitols auflehnte, wurde damals dem Erdboden gleich gemacht. Zur grausamen Erinnerung daran und um jeglichen Gedanken an eine erneute Rebellion im Keim zu ersticken, finden jedes Jahr aufs Neue die „Hunger Games“ statt – eine Art Gladiatorenkampf, in dem 24 Tribute (jeweils ein Junge und ein Mädchen aus jedem der zwölf Distrikte) gegeneinander antreten. Als das Los auf ihre kleine Schwester Prim fällt, meldet sich die 16jährige Katniss freiwillig als Tributin, im Bewusstsein, damit aller Wahrscheinlichkeit nach ihr eigenes Todesurteil zu unterschreiben, denn von den 24 Tributen wird nur einer die Arena lebend verlassen.

Viel mehr kann und möchte ich gar nicht verraten. Denn egal, wie viel vom Inhalt ich preisgeben würde, der schiere Facettenreich-tum dieser Trilogie lässt sich nur schwer beschreiben. Allein schon mit Ausführungen zum Motiv der Hungerspiele (und deren mediale Ausschlachtung) ließen sich Seiten füllen. Kinder und Jugendliche, die gezwungen sind, sich gegenseitig abzuschlachten – zur Zerstreuung der sensationslüsternen Bewohner des Kapitols. Das ist grausam, martialisch und in seiner Brutalität mitunter schwer zu ertragen. (Diese Trilogie ist definitiv nichts für Zartbesaitete!) Vor allem aber wirft es eine ganze Reihe existenzieller Fragen auf, zum Beispiel wie viel ein Menschenleben noch wert ist in einer solchen Ausnahmesituation, in der Zivilisation ein zerbrechliches Gut ist…

Dieses grausame Leitmotiv wiederum verdichtet sich im zweiten und dritten Band zu einer ausgeprägten politischen Dimension, die in dieser Form zwar nicht wirklich neu ist (Stichwort „Brot und Spiele“), von Suzanne Collins aber auf atemlos spannende Art und Weise in die Handlung integriert wird. Denn in dem politischen Machtkampf, in den Katniss ohne es zu wollen verstrickt wird, geht es nicht mehr „nur“ um ihr Überleben und das ihrer Familie. Es geht darum, dass manchmal ein einziger Funke ein Feuer entfachen kann, das kaum zu beherrschen ist; um Widerstand, Macht und Verantwortung; und darum, wie leicht in den Flammen einer Rebellion die Grenzen verschwimmen zwischen dem, was „richtig“ und „falsch“, „gut“ und „böse“ ist.

Ein solch komplexes inhaltliches Gerüst steht und fällt erfahrungsgemäß mit seinen Protagonisten, und auch hier beweist die Autorin Können und Fingerspitzengefühl. Denn Katniss, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist mitnichten durch und durch liebenswert. Aber ist sie überzeugend – gerade weil sie fehlbar ist, unsicher, oft hart und egoistisch, selten sanft oder gar verletzlich. Sie ist eine Kämpferin, die für ihr Alter schon zu viel Elend gesehen und am eigenen Leib erfahren hat. Daher kann ich persönlich ihr die spröde und distanzierte Art schwerlich übel nehmen. Für mich überwiegen eher Mitleid und Traurigkeit in Anbetracht der Tatsache, dass sie – die eigentlich nur jene schützen will, die sie liebt – zum tragischen Spielball wird in einem politischen Machtkampf dessen wahres Ausmaß sie – und auch der Leser – lange Zeit höchstens erahnen kann.

Ohne sich bewusst dafür entschieden zu haben, wird Katniss zum Symbol des Widerstandes und trägt bis zum Ende schwer an der damit einhergehenden Verantwortung. Ihr Denken und Handeln ist geprägt durch Misstrauen, Schuldgefühle, Verzweiflung, erdrückenden Hass auf das System aber auch auf sich selbst – und doch bleibt ein wenig Raum für zwischenmenschliche Beziehungen, die ihr Leben allerdings nicht leichter machen. Denn während sie in der Heimat eine tiefe Freundschaft (die durchaus mehr sein könnte) mit ihrem Jagdpartner Gale verbindet, ist es in der Arena Peeta, ihr männlicher Gegenpart aus Distrikt 12, der ihr mehr als einmal das Leben rettet. Was jedoch im Rahmen der Hungerspiele als tragische Liebesgeschichte zelebriert wird, ist in der Realität völlig frei von Hollywood-Glamour – und gerade deshalb so authentisch und berührend. Denn obwohl ich für mich persönlich sehr schnell beschlossen habe, dass sie sich doch bitte für Peeta entscheiden möge, begreift Katniss erst als es fast schon zu spät ist, was – und wen – sie wirklich will.

Aber auch jenseits ihrer Protagonisten, schafft Suzanne Collins glaubhafte Charaktere, die man aus ganzem Herzen gern haben oder verabscheuen kann (manchmal auch beides). Gerade in der Arena bedeutet das für den Leser natürlich stellenweise eine emotionale Achterbahnfahrt, denn während viele Tribute namenlos bleiben, erfährt man über andere gerade so viel, dass ihr Tod (bzw. das Wissen darum, dass sie sterben müssen, wenn Katniss überleben soll) umso mehr schmerzt. Allerdings lässt Suzanne Collins ihren Lesern kaum Zeit zum Durchatmen, sondern bringt ihre Dystopie schließlich mit beeindruckender Konsequenz zu einem erschütternden aber glaubwürdigen Abschluss.

~ Fazit ~

Ich habe schon viel gelesen, aber nichts davon wäre vergleichbar mit der „Hunger Games“-Trilogie, die dank der erzählerischen Fähigkeiten der Autorin und der weitreichenden Implikationen zwar mitunter verstörend ist, zugleich jedoch hochgradig süchtig macht.   

Titel: The Hunger Games
Autorin: Suzanne Collins
eBook: 264 Seiten
Verlag: Scholastic
eISBN: 978-0-545-22993-7

Titel: Catching Fire (The Hunger Games #2)
Autorin: Suzanne Collins
eBook: 273 Seiten
Verlag: Scholastic
eISBN: 978-0-545-22724-7

Titel: Mockingjay (The Hunger Games #3)
Autorin: Suzanne Collins
eBook: 288 Seiten
Verlag: Scholastic
eISBN: 978-0-545-31780-1

5 Kommentare

Eingeordnet unter Gelesen

5 Antworten zu “~ The Hunger Games ~

  1. Tolle Rezension! Und gerade pünktlich zum Film😉.

  2. Super Rezension! ich muss die Bücher jetzt wirklich mal lesen!😉

    • Dankeschön🙂 Lies zumindest den ersten Band, bevor du den Film siehst. Wenn du allerdings einmal angefangen hast, wirst du vermutlich gar nicht mehr aufhören können – so ging es mir zumindest😉

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