~ Die Herrlichkeit des Lebens ~

Gerade gibt es auf Arbeit wieder jede Menge Prüftitel zu lesen, deshalb habe ich etwas länger für die Rezension zu diesem sehr schönen, auf subtile Art gefühlvollen Roman von Michael Kumpfmüller gebraucht (und deshalb wirkt der Blog in letzter Zeit auch leider etwas verwaist😦 ). „Die Herrlichkeit des Lebens“ erzählt die kurze aber intensive Liebesgeschichte von Franz Kafka und Dora Diamant: von der ersten Begnung in einem Ostseebad, wo Dora als Köchin arbeitet und der Doktor, wie Kafka in diesem Buch fast ausschließlich genannt wird, Linderung seiner Tuberkulose sucht, über das gemeinsame Leben im Berlin der Weimarer Republik, bis hin zu den letzten Tagen im Sanatorium.

Mit diesem Roman gelingt es Kumpfmüller den Leser auf eine ganz besondere Art in das Leben, Denken und Schaffen Franz Kafkas eintauchen zu lassen. Trotzdem ist „Die Herrlichkeit des Lebens“ für mich kein Roman über das Schreiben (oder wenn, dann nur im weiteren Sinne). In erster Linie ist es eine berührende Geschichte über die von tiefer Zuneigung und Hingabe geprägte Beziehung zwischen einer bemerkenswerten jungen Frau und einem Mann, der kurz vor seinem Tod noch einmal die Liebe in ihrer wunderbarsten Form erleben darf. Dabei lebt der Roman vor allem von den leisen Tönen. Davon, dass man als Leser in den Alltag der Protagonisten eintauchen und zwischen Wohnungssuche, Hyperinflation und zunehmendem Antisemitismus doch das Staunen der beiden darüber, wie glücklich sie trotz allem miteinander sind, fast greifen kann.

Erzählt wird jeweils abwechselnd aus Perspektive der beiden Protagonisten. Und eben weil Kafka im Buch nie bei seinem vollen Namen genannt wird, kann man sogar leicht vergessen, dass der männliche Protagonist eben nicht irgendein Mann ist. Bzw. verblasst er sogar fast ein wenig neben Dora, dieser zauberhaften jungen Frau, die so voller Leben und Energie, zugleich aber auch bedacht, sanft und einfühlsam ist. In sehr schöner, oft fast schon poetischer Sprache beschreibt Michael Kumpfmüller die Hoffnungen und Ängste dieses ungleichen Paares, die Glücksmomente ebenso wie die Rückschläge. Trotzdem ist sein Stil alles in allem angenehm schnörkellos und unkitschig. In anderen Rezensionen wurde er als „diskret“ bezeichnet, das trifft es meines Erachtens ganz gut. Obwohl es gegen Ende für meinen Geschmack fast etwas zu diskret wird… Soll heißen, dass mir ganz gegen Ende dann doch ein wenig Gefühl gefehlt hat. Andererseits ist das sicher auch Kafkas Krankheit geschuldet, die dafür nur noch sehr wenig Raum mehr lässt, sodass Dora schließlich immer mehr Krankenschwester als Geliebte ist.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Titel, der im ersten Moment vielleicht etwas zynisch anmuten mag… Natürlich wohnt dem Text eine gewisse Traurigkeit und Melancholie inne, denn man weiß bzw. der Roman macht deutlich, dass der Zustand des Doktors sich zunehmend verschlechtert. Doch im Grunde atmet jede Begegnung des Doktors und seiner Dora, jede Geste, jedes Wort, jede Berührung die Wunderbarkeit der Tatsache, dass Kafka diese Form der Liebe noch erleben durfte. Und obwohl den Liebenden letzten Endes nur ein einziges Jahr miteinander vergönnt war, bleibt die Gewissheit, „… dass sie alles hatten, in dieser gedrängten Zeit, das ganze Glück“.

~ Fazit ~

Eine wunderbare Liebesgeschichte, die mich gerade deshalb berührt hat, weil sie im Grunde ganz unspektakulär ist und durch die leisen Tönen zu überzeugen weiß.   

Titel: Die Herrlichkeit des Lebens
Autor: Michael Kumpfmüller
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3462043266

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