Schlagwort-Archive: Liebe

Sadie Jones: The Outcast

The Outcast “There was a sudden stillness like the gap between ticks on a clock, but the next tick never coming.” (S. 102)

Ich erwähnte ja im Beitrag zu „The Uninvited Guests“ bereits, dass ich durchaus geneigt wäre, mich auf einen weiteren Roman von Sadie Jones einzulassen – gesagt, getan, wanderte Ende Juni „The Outcast“ als Urlaubslektüre auf meinen E-Reader. In Dublin bin ich zwar kaum zum Lesen gekommen, habe dann aber immerhin den Rückflug genutzt, um mich in den Debütroman von Sadie Jones zu vertiefen. Und vertiefen kann man sich in die Romane von Sadie Jones ganz hervorragend. Denn sie fängt die repressive, scheinheilige Atmosphäre einer Kleinstadt in der Peripherie Londons in den 50er Jahren ebenso stilsicher ein wie jene der edwardianischen Ära – und hat mich damit schnell in ihren Bann gezogen. In den Bann einer Geschichte, die auf beklemmende Art und Weise vom Verlust eines geliebten Menschen erzählt, von Schmerz, Sehnsucht und dem langen, steinigen Weg zur Erlösung. Weiterlesen

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Roger Willemsen: Kleine Lichter

Roger Willemsen: Kleine LichterDieser Roman war eines der vier Beutestücke meines letzten Bücherschnäppchen-Kaufrausches. Angesprochen und neugierig gemacht hat mich vor allem der Klappentext: „Seit sechs Monaten liegt der Geliebte im Koma, jetzt bespricht Valerie Kassetten, die ihn wieder ins Leben zurückführen – zurückver-führen – sollen. Nun, wo es um alles geht, ist alles in ihrer Sprache Liebe. Zwischen Wien, wo sie liebt, und Tokio, wo sie arbeitet, hin und her gerissen, beschwört Valerie die eigene Liebesgeschichte noch einmal herauf und zeichnet die Veränderung ihrer Gefühle akribisch nach – bis zu dem Punkt, an dem sie fast überwunden scheinen.“ Weiterlesen

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~ Die Herrlichkeit des Lebens ~

Gerade gibt es auf Arbeit wieder jede Menge Prüftitel zu lesen, deshalb habe ich etwas länger für die Rezension zu diesem sehr schönen, auf subtile Art gefühlvollen Roman von Michael Kumpfmüller gebraucht (und deshalb wirkt der Blog in letzter Zeit auch leider etwas verwaist 😦 ). „Die Herrlichkeit des Lebens“ erzählt die kurze aber intensive Liebesgeschichte von Franz Kafka und Dora Diamant: von der ersten Begnung in einem Ostseebad, wo Dora als Köchin arbeitet und der Doktor, wie Kafka in diesem Buch fast ausschließlich genannt wird, Linderung seiner Tuberkulose sucht, über das gemeinsame Leben im Berlin der Weimarer Republik, bis hin zu den letzten Tagen im Sanatorium.

Mit diesem Roman gelingt es Kumpfmüller den Leser auf eine ganz besondere Art in das Leben, Denken und Schaffen Franz Kafkas eintauchen zu lassen. Trotzdem ist „Die Herrlichkeit des Lebens“ für mich kein Roman über das Schreiben (oder wenn, dann nur im weiteren Sinne). In erster Linie ist es eine berührende Geschichte über die von tiefer Zuneigung und Hingabe geprägte Beziehung zwischen einer bemerkenswerten jungen Frau und einem Mann, der kurz vor seinem Tod noch einmal die Liebe in ihrer wunderbarsten Form erleben darf. Dabei lebt der Roman vor allem von den leisen Tönen. Davon, dass man als Leser in den Alltag der Protagonisten eintauchen und zwischen Wohnungssuche, Hyperinflation und zunehmendem Antisemitismus doch das Staunen der beiden darüber, wie glücklich sie trotz allem miteinander sind, fast greifen kann.

Erzählt wird jeweils abwechselnd aus Perspektive der beiden Protagonisten. Und eben weil Kafka im Buch nie bei seinem vollen Namen genannt wird, kann man sogar leicht vergessen, dass der männliche Protagonist eben nicht irgendein Mann ist. Bzw. verblasst er sogar fast ein wenig neben Dora, dieser zauberhaften jungen Frau, die so voller Leben und Energie, zugleich aber auch bedacht, sanft und einfühlsam ist. In sehr schöner, oft fast schon poetischer Sprache beschreibt Michael Kumpfmüller die Hoffnungen und Ängste dieses ungleichen Paares, die Glücksmomente ebenso wie die Rückschläge. Trotzdem ist sein Stil alles in allem angenehm schnörkellos und unkitschig. In anderen Rezensionen wurde er als „diskret“ bezeichnet, das trifft es meines Erachtens ganz gut. Obwohl es gegen Ende für meinen Geschmack fast etwas zu diskret wird… Soll heißen, dass mir ganz gegen Ende dann doch ein wenig Gefühl gefehlt hat. Andererseits ist das sicher auch Kafkas Krankheit geschuldet, die dafür nur noch sehr wenig Raum mehr lässt, sodass Dora schließlich immer mehr Krankenschwester als Geliebte ist.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Titel, der im ersten Moment vielleicht etwas zynisch anmuten mag… Natürlich wohnt dem Text eine gewisse Traurigkeit und Melancholie inne, denn man weiß bzw. der Roman macht deutlich, dass der Zustand des Doktors sich zunehmend verschlechtert. Doch im Grunde atmet jede Begegnung des Doktors und seiner Dora, jede Geste, jedes Wort, jede Berührung die Wunderbarkeit der Tatsache, dass Kafka diese Form der Liebe noch erleben durfte. Und obwohl den Liebenden letzten Endes nur ein einziges Jahr miteinander vergönnt war, bleibt die Gewissheit, „… dass sie alles hatten, in dieser gedrängten Zeit, das ganze Glück“.

~ Fazit ~

Eine wunderbare Liebesgeschichte, die mich gerade deshalb berührt hat, weil sie im Grunde ganz unspektakulär ist und durch die leisen Tönen zu überzeugen weiß.   

Titel: Die Herrlichkeit des Lebens
Autor: Michael Kumpfmüller
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3462043266

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~ Where She Went ~

Es hat natürlich doch etwas länger gedauert, bis ich nach „If I Stay“ endlich auch das mit Spannung erwartete Sequel „Where She Went“ gelesen habe – aber die Vorfreude hat sich in jedem Fall gelohnt. Drei Jahre sind vergangen seitdem Mia nach einem schweren Unfall, bei dem ihre Eltern und ihr Bruder ums Leben gekommen sind, aus dem Koma erwacht ist, nur um kurze Zeit später ihrer Heimat und Adam, ihrer großen Liebe, den Rücken zu kehren. Inzwischen ist Adam ein gefeierter Rockstar, doch der Ruhm bedeutet ihm längst nichts mehr – er ist vielmehr zu einer Zerreißprobe geworden, der er sich nur noch durch Zigaretten und Medikamente gewachsen sieht. Innerlich leidet er nach all der Zeit noch immer darunter, dass Mia damals einfach sang- und klanglos aus seinem Leben verschwunden ist. Doch eines Abends führt das Schicksal die beiden noch einmal zusammen und im Laufe einer langen Nacht tasten sie sich über freundschaftlich-platonischen smalltalk schließlich vor zu jenen Fragen, die noch immer zwischen ihnen stehen…

Obwohl ich es mir schwerlich hätte vorstellen können, war „Where She Went“ nicht minder bewegend als der Vorgänger „If I Stay“. Denn Gayle Forman schickt ihre Leser erneut auf eine emotionale Achterbahnfahrt, nur dass das spannungsvolle Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart dieses Mal aus Adams Perspektive geschildert wird. Man erfährt, wie er den Unfall und Mias anschließenden Genesungsprozess erlebt hat, wie sein Leben nach der Trennung immer mehr aus den Fugen geraten ist und wie nah er inzwischen am Abgrund steht. Und die Tatsache, dass man Adam währenddessen zugleich als eine verzweifelte, innerlich zerrissene Persönlichkeit kennenlernt – halb bad boy, halb verlorener Junge –, macht seine Geschichte um so tragischer.

Auch Mia hat sich verändert, sie ist erwachsener geworden und hat für sich einen Weg gefunden, mit dem Verlust ihrer Familie umzugehen. Dank Gayle Formans ausgewogener Erzählweise kann man ihre Beweggründe für den Bruch mit ihrem alten Leben auch durchaus verstehen, doch durch die veränderte Perspektive fühlt und leidet man natürlich besonders stark mit Adam. Denn während für Mia die Musik jene Leere gefüllt hat, die der Verlust ihrer Familie hinterlassen hat, ist für Adam die Musik selbst zu einer Leere geworden, an der er zu zerbrechen droht:

„The music is the void. And you’re the reason why.“

~ Fazit ~

„Where She Went“ steht seinem Vorgänger in nichts nach. Die Perspektive mag eine andere sein, doch das verleiht dieser bittersüßen Liebesgeschichte nur noch mehr Tiefe.   

Titel: Where She Went
Autorin: Gayle Forman
eBook: 171 Seiten
Verlag: Dutton Books
ISBN: 978-1101476321

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~ Jane Eyre ~

Gelesen habe ich „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë natürlich längst (als pflichtbewusste Anglistikstudentin) – für mich eine der schönsten Liebesgeschichten der englischsprachigen Literatur. Dementsprechend gespannt war ich auf diese neue Verfilmung von Cary Fukunaga – und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, nein, sie wurden noch weit übertroffen!

Das Faszinierendste an Charlotte Brontës Roman ist für mich Jane selbst, die zwar jung und mittellos ist aber nichtsdestotrotz zu ihren Überzeugungen steht und an ihrem Wunsch ein selbstbestimmtes Leben zu führen  festhält. Und Mia  Waskowski setzt Janes Charakter in all seinen Facetten so überzeugend um, als sei ihr diese Rolle auf den Leib geschrieben. Abgesehen davon ist aber die gesamte Besetzung des Films bis in die Nebenrollen absolut gelungen (und Michael Fassbender als Rochester eine echte Augenweide 😉 )

Kurz und gut: Ich bin hin und weg von dieser fantastischen Literaturver-filmung, die der Romanvorlage mit wunderbaren, stimmungsvollen Bildern Leben einhaucht und die leisen Töne wie die großen Gefühle so perfekt umsetzt, dass man nach 120 Minuten Spielzeit bedauert, dass der Film schon vorbei ist!

Unbedingt anschauen!

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~ Léon und Louise ~

Die letzte (und auch wirklich last-minute) Rezension in diesem Jahr gibt es passender-weise zu einem Titel, den ich schon fast das ganze Jahr lesen wollte, genauer: seit ich im Rahmen der Leipziger Buchmesse eine Lesung mit dem Autor, Alex Capus, besucht habe. Denn unabhängig davon, dass Herr Capus durchaus Alleinunterhalter-Qualitäten besitzt, ließ auch die Inhaltsangabe seines Romans „Léon und Louise“ auf ein anspruchsvolles Lesevergnügen hoffen. Das titelgebende Paar lernt sich während des Ersten Weltkriegs kennen, wird jedoch bald darauf durch einen Fliegerangriff auseinander gerissen. Beide halten den jeweils anderen für tot und ihr Leben verläuft in ganz unterschiedlichen Bahnen. Während Léon heiratet und eine Familie gründet, bleibt Louise der unabhängige Freigeist, der sie schon immer war. Zehn Jahre später begegnen sie sich in der Pariser Métro wieder – und obwohl sie nicht zusammen sein können, ist die Anziehungskraft zwischen ihnen ungebrochen…

Alex Capus ist ein wunderbarer Erzähler, der mit Léon und Louise ein ganz besonderes Liebespaar geschaffen hat, das der Zeit und allen Konventionen trotzt. Und dabei gerät der Roman nie zur Schnulze, sondern betont ganz klar auch immer wieder die Bedeutung von Aufrichtigkeit und Verantwortungsgefühl. Denn Léon steht zu dem Lebensweg, den er eingeschlagen hat, und wenn auch Louise seine Seelenverwandte ist, begegnet er Yvonne, seiner Frau, doch stets mit Respekt und tiefer Zuneigung. Das und die Tatsache, dass Léon, Louise und Yvonne so ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind (von denen aber jeder auf seine Art überzeugend ist), hebt diese Dreiecksgeschichte für mich weit über andere Geschichten dieser Art hinaus. Besonders Louise hat es mir angetan, mit ihrer forschen Art, die sie gleichzeitig spröde und doch humorvoll, distanziert und zugleich zärtlich sein lässt.

Gleichzeitig verleiht der historische Hintergrund dem Roman eine besondere Tiefe, denn Capus bindet auch den Alltag im von den Nationalsozialisten besetzten Frankreich bewusst in die Handlung ein. Besonders deutlich wird das z.B. durch Léons Drahtseilakt zwischen Konformität (um seine Familie nicht zu gefährden) und „résistance“, zumindest im Kleinen. Gerade durch die Gefahren und Entbehrungen, denen sich sowohl Louise als auch Léon und seine Familie ausgesetzt sehen, hat der Roman für mich eher nichts märchenhaftes, sondern – gerade durch Léons Festhalten an dem, was „richtig“ ist – auf angenehme Weise etwas sehr bodenständiges. Und so ist auch die Beziehung von Léon und Louise keine jugendliche Liebelei. Beziehungsweise mag sie durchaus als solche beginnen, wächst aber über die Jahre weit darüber hinaus, wird gemäßigter, vernünftiger und vielleicht gerade deshalb auch beständiger, sodass sie letzten Endes sogar zwei Weltkriege und Jahrzehnte des Getrenntseins überdauert.

~ Fazit ~

„Léon und Louise“ war nicht ganz so „episch“, wie ich das vielleicht erwartet hätte, doch Alex Capus hat nichtsdestotrotz eine sehr schöne, kurzweilige und ganz unkitschige Geschichte geschrieben über ein charmantes Paar, das vom Schicksal immer wieder getrennt wird und doch – allen Widerständen zum Trotz – an seiner Liebe festhält.   

Titel: León und Louise
Autor: Alex Capus
Gebundene Ausgabe: 315 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN: 978-3446236301

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~ No Ordinary Love Song ~

„No Ordinary Love Song“ war eigentlich berufliche Lektüre, deshalb gibt es an dieser Stelle nur ein kurzes Resümee (ohne Sternchen). Alison Prince erzählt in ihrem Jugendroman davon, wie ein einziger Sommer alles verändern kann. Cal, der Protagonist, ist gerade in seiner rebellischen Phase, hält die Schule für sinnlos und die Menschheit für eine Krankheit. Doch dann verliebt er sich in Kerry, die neu in seine Klasse kommt, und im Laufe der Sommerferien werden die beiden ein Paar. Am Ende des Sommers muss Kerry jedoch feststellen, dass sie schwanger ist und plötzlich stehen sie und Cal vor ganz anderen Entscheidungen als nur der, welchen Beruf sie nach der Schule wählen sollen…

Cal ist trotz seiner ansatzweisen Misanthropie erstaunlich sympathisch, auch Kerry und die übrigen Charaktere sind ganz nett und in ihren Handlungen weitgehend überzeugend – echte Persönlichkeiten sucht man allerdings vergebens. Auch stilistisch ist der Roman eher bodenständig aber das ist in Anbetracht der Altersangabe 12+ wohl kein Wunder. (Natürlich sollte man Jugendbücher möglichst aus der Perspektive der Zielgruppe beurteilen bzw. es zumindest versuchen aber so ganz kann man den kritischen Lektoren-Blick dann eben doch nicht abstellen…)

Stellenweise wird zudem aus der Perspektive von Cals Mutter Elaine erzählt, die mit ihrem Leben und ihrer Ehe latent unzufrieden ist und sich daraufhin einem attraktiven Patienten zuwendet, während Cals Vater – es lebe das Klischee – eine Affäre mit seiner Sekretärin anfängt… Diesen für meinen Geschmack recht unmotiviert wirkenden Perspektivwechsel hätte es nicht gebraucht. Vielleicht dient er dazu, der an sich ja nur bedingt originellen Geschichte eine weitere Dimension zu verleihen? Ich jedenfalls hätte auf die Ehekrise der Eltern verzichten können und mir dafür etwas mehr Tiefgang in der Geschichte von Cal und Kerry gewünscht.

Leider bleibt das Ende der Geschichte dann auch noch sehr offen, was ich aus laien-pädagogischer Sicht etwas unglücklich finde, denn dadurch bleiben essenzielle Fragen letztendlich unbeantwortet, z.B.: Wird Cal wirklich erwachsen und kümmert sich tatsächlich um Kerry und das Kind? Denn wirklich „ernst“ wird es ja nach der Geburt. Zu sagen, man ist gewillt, sich den Herausforderungen der Elternschaft zu stellen, ist das eine aber tatsächlich Verantwortung zu übernehmen nochmal eine ganze andere Geschichte…

~ Fazit ~

Ein solider Jugendroman, der sich einem wichtigen Thema zwar durchaus auf Augenhöhe mit der Zielgruppe widmet, insgesamt für mich aber nicht herausragend ist in der Flut ähnlich gearteter Titel.

Titel: No Ordinary Love Song

Autorin: Alison Prince

Taschenbuch: 256 Seiten

Verlag: Walker Books

ISBN: 978-1-406306637

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~ Jeden Tag, jede Stunde ~

„Jeden Tag, jede Stunde“ ist die Geschichte von Luka und Dora, die schon als Kinder unzertrennlich sind. In ihrem Heimatort, der kleinen kroatischen Küstenstadt Makarska, verbringen sie gemeinsam wunderschöne Sommertage. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem Dora mit ihren Eltern nach Paris zieht und Luka allein zurückbleibt. Sechzehn Jahre später begegnen sich die beiden in Paris wieder. Es scheint, als könne sie diesmal nichts und niemand auseinander bringen, doch wieder hat das Leben andere Pläne mit ihnen…

Rein stilistisch war dieses Buch von Nataša Dragnić für mich ein echter Leckerbissen. Manchmal ganz bodenständig, viel öfter aber stimmungsvoll und poetisch beschreibt die aus Kroatien stammende Autorin das Schicksal ihrer beiden Protagonisten. In wunderschönen Worten fängt sie immer wieder die Liebe in all ihren Facetten ein. Die Sehnsucht nach jemandem, den man mit aller Kraft zu vergessen versucht, weil die Erinnerung zu schmerzlich ist. Die Kraft, mit der sich die Erinnerung schließlich doch die Bahn bricht. Und das berauschende Gefühl, dass alles so einfach ist, sich so richtig anfühlt, wenn Dora und Luka nur zusammen sind:

„Alles ist, wie es schon immer war, wenn sie zusammen sind. Genau richtig. Jede Bewegung des einen ergänzt die des anderen. Alles fügt sich zusammen. Lückenlos. Körper, Blicke, Worte. Die Vollkommenheit des Lebens. Als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben. Als gäbe es gar keine andere Zeit.“ (S. 234)

Erzählt wird jeweils im Wechsel aus der Perspektive der beiden Protagonisten. Das macht es dem Leser nicht nur sehr leicht, sich in Dora und Luka  hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen, es macht auch immer wieder deutlich, dass das Leben der beiden auf faszinierende und manchmal auch traurige Art und Weise parallel verläuft. Beide gehen zunächst ihrer Leidenschaft nach – Luka der Malerei, Dora der Schauspielerei – und brillieren darin. Beide gehen eine Beziehung ein, ohne sich jedoch ihrem Partner völlig hingeben zu können, denn ihr Herz gehört – ohne dass sie es sich selbst eingestehen – seit langer Zeit jemand anderem. Die Tatsache, dass Dragnić mehrmals exakt den gleichen Wortlaut verwendet, um das Gefühlsleben von Luka und Dora zu beschreiben, mag etwas irritieren und auf manch einen redundant wirken, unterstreicht aber letztendlich einfach die tiefe Verbundenheit, die Seelenverwandtschaft der beiden. Auch jene Momente, wenn Dora und Luka sich nach langer Zeit schließlich wiedersehen, folgen immer dem gleichen Muster und verstärken damit noch das Gefühl, dass diese beiden Menschen einfach füreinander bestimmt sind.

Doch immer wieder rückt das gemeinsame Leben, das beide so sehr herbeisehnen, in weite Ferne. Durch die harte Wirklichkeit, die wie ein dunkler Schatten über ihrem Glück liegt, aber vor allem auch durch Luka, der – alles in allem – kein wirklich überzeugender Prinz ist. Im Gegenteil: Immer wieder ist es Dora, die ihn wachküsst, ihn davor bewahrt ohnmächtig zu werden, zu ihm reist, obwohl er sie mehr als einmal enttäuscht. Denn in den entscheidenden Momenten ist Luka zu feige, zu passiv, um sich allen Widerständen zum Trotz zu ihr zu bekennen. Und obwohl eigentlich jeder weiß, jeder sehen kann, dass Dora und Luka füreinander bestimmt sind, bleibt das Ende doch offen, sodass sich mir nach der letzten Seite (leider) die Frage gestellt hat: Was bitte ist aus dem guten alten eindeutigen Happy End geworden?!

~ Fazit ~

Auch wenn ich das offene Ende etwas unbefriedigend fand (und deshalb dafür einen Stern abziehe), ist und bleibt „Jeden Tag, jede Stunde“ ein wunderschöner, poetischer Roman über eine außergewöhnliche Liebe.   

„… ich liebe dich immer dich mein ganzes leben lang du bist meine luft mein herzschlag du bist in mir unendlich…“ (S. 9)

Titel: Jeden Tag, jede Stunde
Autorin: Nataša Dragnić
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: DVA Belletristik
ISBN: 978-3421045164

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